Ein Implantat im Backenzahnbereich muss kräftige Kaubelastungen aufnehmen und zugleich so positioniert sein, dass Implantatkrone, Zahnreihe und Kieferknochen zusammenpassen. Deshalb entscheidet nicht allein die Größe der Lücke über den Behandlungsplan. Ebenso wichtig sind Knochenangebot, Zahnfleisch, Nachbarzähne und anatomische Strukturen. Dieser Ratgeber erläutert die Planung in Ober- und Unterkiefer, den Weg bis zur Belastung und die langfristige Pflege.
Warum muss ein Implantat im Backenzahnbereich auf die Kaubelastung abgestimmt werden?
Ein Zahnimplantat, häufig aus Titan, wird im Kieferknochen verankert. Nach der Einheilung bilden Implantat, Verbindungsstück und Zahnkrone den implantatgetragenen Zahnersatz.
Natürliche Zähne sind über feine Fasern leicht beweglich im Kiefer befestigt. Ein eingeheiltes Implantat sitzt dagegen weitgehend starr im Knochen. Deshalb müssen Position und Ausrichtung des Implantats zur späteren Krone und zum Zusammenbiss passen. Die Kontakte beim Kauen sollen ungünstige Belastungsspitzen möglichst vermeiden.
Geplant wird gewissermaßen von der späteren Zahnkrone zurück zur künstlichen Zahnwurzel. Die Implantatkrone sollte passende Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen besitzen und gut zu reinigen sein. Auch Zähneknirschen, die Zähne im gegenüberliegenden Kiefer und weitere fehlende Zähne können die Planung beeinflussen.
Wie beeinflussen Kieferhöhle und Unterkiefernerv die Planung?
Bei einem Implantat im Oberkiefer kann die Kieferhöhle das verfügbare Knochenangebot begrenzen. Reichen Höhe oder Breite des Knochens nicht aus, kann ein Sinuslift, eine besondere Form des Knochenaufbaus im Bereich der Kieferhöhle, erwogen werden. Ob Knochenaufbau und Implantation gleichzeitig oder zeitlich getrennt erfolgen, hängt vom Befund ab.
Bei einem Backenzahn im Unterkiefer ist vor allem der Verlauf des Unterkiefernervs wichtig. Position und Knochenhöhe müssen so ermittelt werden, dass der erforderliche Abstand zum Nervkanal berücksichtigt werden kann.
Grundlage sind eine zahnmedizinische Untersuchung und eine geeignete Röntgendiagnostik. Bei entsprechender Indikation kann eine 3D-Planung mittels digitaler Volumentomographie (DVT) sinnvoll sein und die Grundlage für eine schienengeführte Implantation bilden.
Vorhandene Entzündungen, eine unbehandelte Erkrankung des Zahnfleischs oder andere relevante Befunde können zunächst eine Vorbehandlung erfordern. Auch Allgemeinerkrankungen und regelmäßig eingenommene Medikamente gehören in die Behandlungsplanung.
Wann kann die Implantatkrone im Seitenzahnbereich belastet werden?
Der chirurgische Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung. Beim Einsetzen wird die Primärstabilität beurteilt, also der unmittelbare mechanische Halt des Implantats im Knochen. Anschließend muss es in den Kieferknochen einheilen. Dieser biologische Vorgang wird als Osseointegration bezeichnet.
Eine provisorische Krone kann unter bestimmten Voraussetzungen frühzeitig eingesetzt werden. Eine solche provisorische Versorgung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der neue Backenzahn sofort vollständig beim Kauen belastet werden darf. Knochenqualität, Anfangsstabilität des Implantats, ein vorausgegangener Knochenaufbau und der individuelle Heilungsverlauf beeinflussen den Zeitpunkt.
Die endgültige Implantatkrone wird eingesetzt, wenn das Implantat ausreichend eingeheilt und nach dem erhobenen Befund belastbar ist. Danach kontrolliert der Zahnarzt den Sitz der Krone, die Kontakte zu den benachbarten Zähnen und den Biss. Unser Ratgeber zum Ablauf einer Zahnimplantation erläutert die einzelnen Behandlungsschritte.
Was sollten Patientinnen und Patienten für die langfristige Sicherheit nach einer Implantation beachten?
Mit dem Einsetzen der Krone ist die Behandlung nicht vollständig abgeschlossen. Für die Pflege von Zahnimplantaten ist besonders der Übergang zwischen Implantatkrone und Zahnfleisch wichtig. Zahnbürste und geeignete Hilfsmittel für die Zwischenräume unterstützen eine gründliche Mundhygiene.
Ein Implantat kann zwar keine Karies bekommen, das umgebende Gewebe kann sich jedoch entzünden. Bleibt eine solche Entzündung unbehandelt, kann sie sich auf den Kieferknochen ausweiten. Blutungen, Schwellungen, anhaltende Schmerzen, Sekret, eine gelockerte Krone oder Veränderungen beim Zubeißen sollten deshalb zeitnah zahnärztlich untersucht werden.
Regelmäßige Kontrollen dienen dazu, Zahnfleisch, Knochen, Implantatkrone und Biss zu überprüfen. Gute Mundhygiene und eine individuelle Nachsorge können dazu beitragen, dass Implantate langlebig bleiben. Für die chirurgische und parodontale Einordnung steht Ihnen in Bochum Dr. Frederic vom Orde, M.Sc., zur Verfügung. Er ist Fachzahnarzt für Oralchirurgie, hat den Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie und besitzt einen Masterabschluss in Parodontologie und Implantattherapie.
Eine belastbare Versorgung beginnt mit einer individuellen Planung
Ob ein Zahnimplantat am Backenzahn geeignet ist und wann es belastet werden darf, lässt sich nur anhand des persönlichen Befunds beurteilen. Dabei werden Knochenangebot, Kieferanatomie, Zahnfleisch, Biss und gesundheitliche Voraussetzungen gemeinsam betrachtet. Vorhandene Aufnahmen können im Beratungsgespräch beurteilt werden. Auf Grundlage des Behandlungsplans lässt sich anschließend ein Heil- und Kostenplan erstellen.
FAQ: Häufige Fragen zu Zahnimplantaten
Wie finde ich den richtigen Experten für ein Zahnimplantat im Backenzahnbereich?
Achten Sie auf nachvollziehbare Qualifikationen in Implantologie oder Oralchirurgie sowie auf eine transparente Aufklärung über Befund, Alternativen, Risiken, Kosten und Nachsorge. Wichtig ist außerdem, dass der Behandlungsplan verständlich erklärt wird.
Wann kann ein Knochenaufbau nötig sein?
Ein Knochenaufbau kommt infrage, wenn der vorhandene Kieferknochen für die geplante Position und Stabilität des Implantats nicht ausreicht. Ob das Implantat mit Knochenaufbau gleichzeitig oder zeitlich getrennt eingesetzt werden kann, zeigt erst die individuelle Diagnostik.
Was kostet ein Zahnimplantat am Backenzahn?
Bei einem Backenzahn hängen die Kosten für ein Implantat unter anderem von Diagnostik, Eingriff, Material, Implantatkrone, Labor und möglichem Knochenaufbau ab. Ein Heil- und Kostenplan weist die voraussichtlichen Gesamtkosten und mögliche zusätzliche Kosten aus. Gesetzliche Krankenkassen zahlen zum Zahnersatz einen befundbezogenen Festzuschuss, übernehmen Implantate aber grundsätzlich nur bei seltenen Ausnahmeindikationen. Leistungen einer Zahnzusatzversicherung richten sich nach dem jeweiligen Tarif.
Welche Alternative gibt es zu einem Zahnimplantat am Backenzahn?
Ist der Zahn noch erhaltungsfähig, kann eine zahnerhaltende Behandlung Vorrang haben. Bei einer Lücke kommen je nach Befund eine Zahnbrücke, herausnehmbarer Zahnersatz oder das kontrollierte Belassen der Lücke infrage. Eine konventionelle Brücke erfordert meist die Bearbeitung der benachbarten Zähne, während eine Implantation einen chirurgischen Eingriff voraussetzt. Unser Ratgeber Krone oder Implantat vertieft die Unterschiede.